Vermehrung durch Blattstecklinge - violetsandmore - African Violets and More

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Die Vermehrung durch Blattstecklinge



Die Vermehrung von Usambaraveilchen mittels Blattstecklingen ist denkbar einfach. Hierfür benötigt man ein gesundes Blatt der gewünschten Usambaraveilchen-Sorte, einen kleinen Pflanztopf (ca. 5,5 cm Durchmesser) aus Plastik, eine Torfquelltablette oder ein Erdgemisch (es geht aber auch eine normale Blumenerde - idealerweise mit etwas Sand und Perlite gemischt, sofern vorhanden) und ein Mini-Zimmergewächshaus. Man kann aber anstelle eines Zimmergewächshauses auch einen Pflanztopf in einen durchsichtigen Plastikbeutel oder Zippbeutel geben, den man oben verschließt.

 



Das Blatt sollte möglichst frisch sein und ein wenig schräg
abgeschnitten werden. Der Stengel sollte nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz sein. Ist er zu lang, wird es länger dauern, bis Jungpflanzen entstehen, ist er sehr kurz, wird man das Blatt nur einmal verwenden können - und - sollte es faulen - kann man es kaum kürzen, um es dann erneut in frisches Substrat zu pflanzen. Es hat sich auch bewährt, die Blätter nach Erhalt für ein paar Tage (zwischen 2 und ca. 8 Tagen) in ein Wasserglas (siehe Foto oben links) zu stellen. So können sich auch vom Versand gestresste Stecklinge erholen und wurzeln unproblematischer.




Hat man den Topf mit Torfquelltablette oder Substrat vorbereitet, wird der Steckling eingesetzt. Er sollte ca. 1 - 2 cm (je nach Blattgröße) tief ins nur mäßig feuchte Substrat eingesetzt werden. Größere Stecklinge müssen mit einem Plastikstab o. ä. ein wenig gestützt werden, bis sie angewachsen sind. 

Damit der Steckling nicht zuviel Feuchtigkeit verliert und schlaff wird, sollte er ins Gewächshaus oder in den Beutel oder ein sonstiges Gefäß gestellt werden. Hierbei muss - vor allem in den ersten Tagen - häufiger gelüftet werden, um die überschüssige Feuchtigkeit entweichen zu lassen, die sich als Beschlag an den Innenwänden des Gefäßes ablagert. Wenn nicht häufig genug gelüftet wird, droht Pilzbefall. 

Die Stecklinge sollten dann an einem hellen, warmen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung aufbewahrt und vor allem in den ersten  Wochen regelmäßig kontrolliert werden. Schon nach wenigen Tagen müsste bei dieser Methode das Blatt, wenn man es vorsichtig berührt, fest im Substrat stehen und die Blätter zusehends praller und härter werden, wenn die Blätter erfolgreich wurzeln. Es müssen dann nur noch die Blätter, die nicht fest im Substrat stehen oder sich sehr weich anfühlen, weiter kontrolliert werden. Manchmal ist es ratsam, solch ein Blatt vorsichtig aus dem Substrat zu ziehen, wenn es nicht bereits fest verwachsen ist, denn es kann sich unterirdisch Fäulnis bilden. Hierbei wird der Stengel zunächst glasig, bevor dann innerhalb kurzer Zeit das gesamte Blatt verrottet. Man bekommt mit der Zeit ein Gefühl dafür, welche Stecklinge ohne Probleme anwachsen und bei welchen es Probleme gibt, wenn man in den ersten Tagen und Wochen eine vorsichtige 'Fingerprobe' an den einzelnen Blättern vornimmt. Solche, die schon nach wenigen Tagen scheinbar fest im Substrat stehen, können in der Zukunft bei den Proben vernachlässigt werden, bei allen anderen ist Vorsicht geboten.

Es ist eigentlich sehr einfach, einen Blattsteckling zu bewurzeln. Die größte Gefahr liegt hier bei zu nassem Substrat. Dieses bringt den Blattstengel sehr schnell zum Faulen und oft wird dies erst zu spät bemerkt und der komplette Steckling kann dann häufig nicht mehr - trotz Zurückschneiden - gerettet werden. Ansonsten sollte nur darauf geachtet werden, dass das Pflanzsubstrat nie ganz austrocknet und die Innenseite des Gewächshauses oder der Tüte nicht beschlägt. Dies deutet auf zu große Feuchtigkeit hin und man sollte, wenn Beschlag feststellt wird, solange lüften, bis der Beschlag völlig verschwunden ist, um Pilzbefall zu vermeiden.

Mit der Zeit bekommt man ein sicheres Gefühl dafür, ob ein Blatt Probleme beim Anwachsen hat oder nicht. Die ersten Triebe sollten nach ungefähr 2 bis 3 Monaten zu sehen sein. Die Zeit bis zu den ersten Trieben der Jungpflanzen kann sehr variabel sein - von 6 Wochen bis zu 9 Monaten. Dauert es noch länger, sollte der Steckling untersucht werden - und evtl. an der Spitze um ein Drittel gekürzt oder gar erneut bewurzelt werden, indem er möglichst weit unten am Stengel noch einmal frisch abgeschnitten wird. 



Weitere Tipps:

Gießwasser:
Das Gießwasser darf nicht zu kühl sein, mindestens Zimmertemperatur sollte es haben, noch besser ist lauwarm.

Das Wasser sollte nicht zu kalkhaltig sein, im Zweifelsfalle besser sogar mit stillem Mineralwasser gießen. Regenwasser ist zwar sehr gut geeignet, jedoch können darin Bakterien und Parasiten enthalten sein, die für die Pflanze aber auch den Steckling, sehr schädlich sein können. Möchte man Regenwasser verwenden, sollte dies auf jeden Fall vor Gebrauch gut abgekocht werden und es sollte natürlich erst benutzt werden, wenn es wieder abgekühlt ist. Ein kleines Kännchen mit abgestandenem Leitungswasser kann man in der kühleren Jahreszeit auch wunderbar auf der Heizung aufbewahren - das Wasser darin hat für Usambaraveilchen beim Verwenden Wohlfühltemperatur.

Dünger:
Es darf gedüngt werden, und zwar mit Orchideendünger in leichter Konzentration. Die Stecklinge dürfen bereits nach ca. 14 Tagen ihre ersten leichten Düngergaben erhalten.

Substrat:
Als Substrat für die Bewurzelung von Stecklingen ist sowohl handelsübliche Blumenerde möglich, als auch eigene Mischungen, denen man ein wenig Perlite und Sand beigefügen kann. Auch andere Medien wie reines Perlite, Sphagnum Moos und sogar die Bewurzelung im Wasserglas sind gleichermaßen geeignet. 

Kälteschutz:
Steht der Steckling auf einem Fensterbrett, welches von unten kühl ist, sollte man eine kleine Styropor-Platte o. ä. als Isolierung unter den Pflanztopf platzieren, denn sonst wird trotz warmen Raumtemperaturen der Pflanztopf und das Substrat recht kühl bleiben, was zu verlangsamtem Wachstum, evtl. sogar zur Fäulnis des Stecklings führen kann.

Wenn nach Monaten noch keine Jungpflanzen sprießen wollen:
Manche Blätter wachsen wunderschön und werden immer größer, doch bringen auch nach einigen Monaten immer noch keine Jungpflanzen hervor. Grund ist, dass sie die Kraft für ihr eigenes Wachstum verwenden, jedoch keine Jungpflanzen produzieren. In diesem Fall schneidet man ungefähr das obere Drittel des Blattes mit einem scharfen Messer möglichst sauber ab. Diese Maßnahme signalisiert dem Steckling, dass er verletzt ist und Gefahr läuft, einzugehen und gibt ihm den Impuls, Jungpflanzen zu produzieren. Diese erscheinen dann meist schon wenige Wochen nach der Maßnahme, die die Stecklinge ohne Probleme überleben.


Bewurzelung in Sphagnum Moos:

Weil ich sehr viele Stecklinge von unterschiedlichen Verkäufern erworben habe, von denen leider auch etliche kurz nach dem Pflanzen in Substrat eingegangen sind, habe ich eine zweite Bewurzelungs-Methode ausprobiert, die sich sehr bewährt hat und die ich nun für alle meine Blattstecklinge nutze - und zwar die Bewurzelung auf Sphagnum Moos. 

Oft faulten Blätter von denselben Verkäufern - andere Blätter von favorisierten Verkäufern hatten nie oder fast niemals Probleme beim Bewurzeln. Daher schließe ich daraus, dass manche Verkäufer vielleicht Blätter von instabilen oder kranken, zumindest aber von Pflanzen mit schlechtem Imunsystem abgeben, die dann beim Bewurzeln in großer Zahl leider verrotten, so sehr man sich auch um sie bemüht. 

Da das zum einen sehr ärgerlich, zum anderen sehr kostspielig ist, kam ich dann auf die Idee, es einmal mit einer anderen Methode - und zwar in Sphagnum Moos - zu versuchen. Der Vorteil ist hier, dass die Stecklinge gerade in der ersten Zeit sehr feucht bis sogar nass stehen dürfen bzw. müssen. Dies gibt ihnen Zeit, sich zu stabilisieren - und eine hohe Erfolgsrate von 95 % bei der Bewurzelung der Blätter ist ohne Aufwand zu erreichen. Bei der Bewurzelung in Substrat hingegen lag die Erfolgsrate bei den Stecklingen mancher Verkäufer nur um die 50 %, so sehr ich mich auch um die Stecklinge bemühte.



Für die Bewurzelung auf Sphagnum Moos nimmt man am einfachsten Einwegschnapsgläschen aus Plastik, in welche man ein paar kleine Abzuglöcher für das Wasser bohrt. Aber auch alle anderen kleinen Gefäße aus Plastik sind geeignet. Die Einwegschnapsgläschen gibt es in 2 unterschiedlichen Größen von 2 ml und 4 ml. Ich benutze für die kleinen Blätter die 2-ml-Gläschen und für die größeren die 4-ml-Gläschen. Die Gläschen werden zu ungefähr einem Drittel locker mit Moos gefüllt, welches zuvor in heißem Wasser eingeweicht worden ist (bitte das Moos abkühlen lassen, bevor es verwendet wird). Darauf werden dann ganz einfach die Blätter gestellt, sie sollten nicht allzu tief ins Moos versenkt werden, am besten nur wenige Millimeter tief.

Die Becherchen werden dann in eine kleine Schale, die zu ca. 1 bis 1,5 cm mit Wasser befüllt werden, gestellt. So erhalten die Blätter zunächst ausreichend Wasser um innerhalb der nächsten ca. 2 - 4 Wochen die ersten Wasserwurzeln zu bilden. Erst wenn das Wasser aus der Erstbefüllung verbraucht ist und das Moos nur noch leicht feucht ist, sollte wieder Wasser gegeben werden, doch nun nur noch soviel, wie innerhalb von ca. 10 Minuten vom Sphagnum Moos und den Wurzeln aufgesaugt wird. Das restliche Wasser muss wieder abgegossen werden. 

Die Feuchtigkeit hält für fast eine Woche, so dass ungefähr alle 4 - 7 Tage (je nach Raumklima) wieder ein wenig Wasser nachgefüllt werden muss. Hierbei muss jedoch immer die Feuchtigkeit kontrolliert werden, da das Moos niemals vollständig austrocknen darf, denn sonst werden die noch zarten Wurzeln schnell zerstört. 

Für diese Art der Bewurzelung ist nicht unbedingt eine Haube vonnöten, weil die Blätter in einer Wasserschale stehen und so auch das verdunstende Wasser in der Regel für genügend Luftfeuchtigkeit sorgt.

Nach ca. 2 bis 3 Wochen sollte das Moos jedoch nur noch mäßig feucht gehalten werden, da es sonst sehr leicht zur Wurzelfäule kommt. Es hat sich hier bewährt, die angewachsenen Stecklinge auf Perlite oder Tongranulat zu setzen (mit dem Sphagnum Moos), da durch dieses die Feuchtigkeit absorbiert und für genügend Belüftung der Wurzeln gesorgt wird. Jedoch ist diese Methode meines Erachtens noch verbesserungswürdig - ist aber gerade in der ersten Phase der Bewurzelung sehr hilfreich und beugt Verlusten fast zu 100 % vor.




Alle Schritte zur Bewurzelung mit beiden Methoden in Stichpunkten:


Vorbereitung

  1. neu eingetroffene Blattstecklinge nach dem Erhalt vorsichtig auspacken und auf Schäden und Krankheiten untersuchen 
    Es empfiehlt sich die vorsorgliche Behandlung in mehreren Intervallen mit Insektizid und Akarizid sowie einem Fungizid - und die Quarantäne für alle Neuanschaffungen - auch die Blattstecklinge!!
    Vorsicht: (Weichhaut-)Milbeneier sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen und nur für geübte Augen mittels eines (Taschen-)Mikroskops zu erkennen!
  2. prüfen, ob die Schnittstelle des Stengels noch Wasser aufnimmt - wenn Bedenken bestehen, besser mit einem scharfen Messer nochmals ein wenig frisch einkürzen, am besten in schrägem Winkel schneiden


a) Bewurzelung in Substrat oder Torfquelltablette:

  1. Blattsteckling evtl. für ein paar Tage in ein Wasserglas stellen (abgekochtes, abgekühltes Wasser)
  2. Pflanztopf mit Substrat/Torfquelltablette vorbereiten - nur mäßig feucht
  3. Steckling ca. 1 bis 1,5 cm tief ins Substrat stellen, Substrat vorsichtig andrücken
  4. Zimmergewächshaus/Plastikbeutel (heller, warmer Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung - ideale Temperatur ca. 20 - 25° C)
  5. regelmäßige Kontrolle und Belüftung
  6. Quarantäne für neue Stecklinge/Pflanzen - für mindestens 4 - 6 Wochen und strenge Kontrolle!


b) Bewurzelung auf Sphagnum Moos:

  1. kleines Pflanzgefäß/Einwegschnapsgläschen mit 1/3 aufgeweichtem Sphagnum Moos befüllen
  2. Blattsteckling auf bzw. in das Moos stellen, maximal wenige Millimeter tief im Moos versenken
  3. Pflanzgefäß in Schale geben, mit 1 bis 1,5 cm Wasser befüllen (heller, warmer Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung - ideale Temperatur ca. 20 - 25° C)
  4. Wasser erst nachfüllen, wenn das Wasser aus der Erstbefüllung verbraucht/verdunstet ist
  5. regelmäßige Kontrolle in den ersten Tagen auf Fäulnisbildung (ist aber sehr selten)
  6. Quarantäne für neue Stecklinge/Pflanzen - für mindestens 4 - 6 Wochen und strenge Kontrolle!

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