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Meine Erfahrungen bei der Bekämpfung von Weichhautmilben

Einen Befall mit Weichhautmilben wieder los zu werden, ist ein schwieriges Unterfangen. Ihnen Herr zu werden, ist noch viel schwieriger als ihre Verwandten - die Spinnmilben - wieder los zu werden, da es für den Einsatz bei Spinnmilbenbefall bereits einige wirksame Mittel gibt. Doch leider sind nicht alle Akarizide auch für den Einsatz gegen Weichhautmilben mit Erfolg einsetzbar. 

Ich habe wirklich fast alle Mittel, auch Hausmittel und homöopathische Mittel, ausprobiert und doch fast meine komplette Saintpaulia- und Streptocarpus-Kollektion verloren.

Einzig eine Kombination von zwei hochwirksamen Akariziden in hoher Konzentration haben mir letztendlich geholfen, die Weichhautmilben erfolgreich los zu werden - aber auch viele weitere meiner letzten erhaltenen Pflanzen habe ich damit leider verloren. 

Nach nun endlich überstandener Weichhautmilbenplage muss ich im Endeffekt leider den Schluss ziehen, dass es viel billiger, bequemer und auch nervenschonender gewesen wäre, hätte ich sogleich einfach alle meine Pflanzen entsorgt, die Pflanzenstandorte gründlich gereinigt und desinfiziert und nach ein paar Wochen gleich ganz von vorne erneut begonnen - mit Pflanzen und Stecklingen, die erst nach strenger Quarantäne UND zugleich gründlicher vorbeugender Behandlung gegen Weichhautmilben - aber auch andere Parasiten, Einlass in meine neue Sammlung finden dürfen.

Trotzdem ich eigentlich bereits alles über Weichhautmilben aus vielzähligen Internetrecherchen wusste, gelang es mir einfach nicht, sie auch wirklich nachhaltig zu beseitigen. Möglicherweise hatte ich entweder bereits gegen viele Akarizide resistente Milben in meine Sammlung eingefangen oder aber sie vielleicht sogar selbst mit zu Beginn noch vorsichtigen bzw. zu milden Behandlungen, da ich um meine Pflanzen und Stecklinge fürchtete, resistent gemacht hatte.

Als ich den Befall mit Weichhautmilben entdeckte und vor allem meine Jungpflanzen und Stecklinge binnen kürzester Zeit schwer geschädigt wurden, beschaffte ich mir ein Akarizid mit dem Wirkstoff Abamecitin zur Bekämpfung, welcher als hochwirksam gegen Weichhautmilben gilt. Leider ist dieses Akarizid für private Pflanzenfreunde eigentlich nicht zugänglich und man muss sich in Gärtnereien oder auch in Pflanzenforen umsehen, um es erst einmal beziehen zu können. Ich begann also wie mir empfohlen wurde, mit dreimaliger Behandlung mit einer Dosierung von 2 ml des Mittels auf 1 Liter Wasser. Hierbei müssen alle Pflanzen und Stecklinge von allen Seiten gründlich eingesprüht werden, so dass sie wirklich tropfnass sind, auch das Substrat muss durchfeuchtet werden sowie die Blumentöpfe von allen Seiten mit besprüht werden. Alle Regale und Standplätze der Pflanzen müssen gründlich gereinigt und abgewaschen werden. Diese Behandlung sollte dreimal im Abstand von 4 - 5 Tagen erfolgen. Trotz vieler Stunden an intensivem Arbeitsaufwand und im Bewusstsein um die Giftigkeit des verwendeten Akarizids zog ich die Behandlungen durch, auch wenn ich danach körperlich völlig fertig war aufgrund der hohen körperlichen Anstrengungen in fast 12 Stunden Arbeit für nur einen Durchgang. 

Zunächst sah auch alles gut aus - die Pflanzen erholten sich und begannen wieder mit gesundem Wachstum. Doch schon nach ca. 3 Wochen entdeckte ich wieder Schäden, wieder an Stecklingen und Jungpflanzen. Doch der Einsatz dieses Akarizids ist nicht ungefährlich, also ist Schutzbekleidung, Handschuhe und auch eine Atemmaske bei der Anwendung sehr wichtig. Auch für eine gute Lüftung sollte unbedingt gesorgt werden und alle Menschen und Tiere im Haushalt sollten für Stunden und sogar Tage keinesfalls den Raum betreten, in dem die Pflanzen behandelt werden. Wichtig ist auch, dass die Pflanzen für mindestens 2 Tage, besser sogar drei Tage nach jeder Behandlung dunkel gehalten werden, da dieses Akarizid durch UV-Licht in Kürze zersetzt wird und seine Langzeitwirkung nicht entfalten kann.

Da ich zu dieser Zeit noch einige hundert Pflanzen und dazu noch dieselbe Menge an Stecklingen und Jungpflanzen hatte, war ich entsetzt, als ich bemerkte, dass die Weichhautmilben doch trotz Einsatz eines hochwirksamen Akarizids zurück kehrten bzw. wohl doch nicht durchgreifend vernichtet worden waren und sich nun wieder in hohem Tempo vermehrten und in meinen Pflanzen wüteten. Kurzerhand entschloss ich mich für den Einsatz von Raubmilben (Amblyseius barkeri und cucumeris). Ich besorgte gleich eine größere Menge, die für ca. 200 m² ausreichen sollte. Diese werden im Trägermaterial Weizenkleie geliefert. Da ich noch keine Erfahrung damit hatte, streute ich wie empfohlen, die Weizenkleie, in der die winzigen Raubmilben enthalten waren, über meine Pflanzen. Doch das würde ich keinem Pflanzenliebhaber empfehlen, da bei behaarten Gewächsen, wie es Usambaraveilchen sind, die Weizenkleie nicht mehr abzuwaschen ist. Nun müssen die Pflanzen täglich mit lauwarmem Wasser besprüht werden, da die Raubmilben eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit benötigen. Sie müssen auch in den ersten Monaten wöchentlich bis alle ca. 2 - 4 Wochen wieder neu eingesetzt werden - für eine große Sammlung ein teures Unterfangen. Ich hielt so die Weichhautmilben im Zaum und meine Pflanzen konnten sich nun endlich wieder gut entwickeln. Bei späteren Einsätzen von Raubmilben besorgte ich mir Kaffeefilter, in die ich die Weizenkleie mit den Raubmilben esslöffelweise vorsichtig einstreute und sie so platzierte, dass sie ein wenig vor dem einfallenden Licht geschützt waren und direkten Zugang auf meine Pflanzen hatten, um nach Weichhautmilben und deren Eiern - ihrer Nahrung - suchen zu können. 

Ein kleiner Nachteil ist, dass die Raubmilen sich zwar, sofern sie keine Weichhautmilben finden können, auch von Blütenpollen ernähren können. Daher waren oft die Blüten meiner Pflanzen unschön mit Pollenstaub verunreinigt, obwohl die Pflanzen und auch Blüten eigentlich keine weiteren Schäden zeigten. Doch je mehr Stecklinge und Jungpflanzen ich hatte, desto häufiger wurden diese auch mit der Zeit wieder von Weichhautmilben geschädigt und ich musste die Menge der ca. alle 2 - 3 Wochen gekauften Raubmilben auf 500 m² erhöhen - obwohl mein wirklicher Bestand wohl nur einen Raum von ca. 50 m² einnahm. Es war also eine um ein Vielfaches erhöhte Dosierung der Raubmilben erforderlich. Da dies alles jedoch mit der Zeit sehr teuer wurde und mir nicht den gewünschten sicheren Erfolg bzw. die vollkommene Vernichtung aller Weichhautmilben brachte, entschloss ich mich, nun den Weichhautmilben auf andere Art und Weise den Garaus zu machen, da auch meine großen Pflanzen aufgrund des Weichhautmilbenbefalls mittlerweile Pilzbefall und eine verminderte Blüte zeigten, was auch auf den Befall mit Weichhautmilben und die Übertragung von weiteren Krankheiten durch diese zurückzuführen ist.

So versuchte ich es nun zunächst mit der Behandlung mit im Internet recherchierten unschädlichen Methoden, wie etwa dem Einsatz eines Knoblauch-Zwiebel-Suds, den ich selbst herstellen konnte. Doch auch hier gab es nur anfänglich kurze jedoch nicht wirklich durchgreifende Erfolge. 

Da ich der Homöopathie sehr zugewandt bin und mittels homöopathischen Mitteln auch bereits Erfolge gegen Schädlinge und andere Krankheiten an Gartenpflanzen erzielt hatte, versuchte ich es nun mit Mitteln wie Sulfur, Thuja, Petroleum und auch Amblyseius etc. Auch diese Mittel brachten anfänglich eine Besserung an meinen Usambaraveilchen, doch schon nach ca. 1 - 3 Wochen kehrten diese wieder zurück und vollbrachten ihr zerstörerisches Werk nunmehr mit noch größerer Aggressivität. 

Nun war ich fest entschlossen, die Weichhautmilben wieder mit Akariziden zu besiegen, auch wenn ich zwischenzeitlich bereits aus vielerlei Foren und auch von Leidgenossen erfahren hatte, dass sie keine Chance gegen Weichhautmilben hatten, egal mit welchem Mittel - sogar bei Verwendung von mehreren sehr giftigen Mitteln gleichzeitig in einer Anwendung.

Damals konnte ich mir das alles trotz dieser Berichte noch gar nicht vorstellen und dachte immer, dass ich das schon noch in den Griff bekommen würde. Also fing ich zunächst im Wechsel mit drei Akariziden an: das Mittel mit dem Wirkstoff Abamecitin, welches ich bereits verwendet hatte, dann noch mit Dr. Stähler Milben-Ex (Kiron) mit dem Wirkstoff Fenpyroximat, aber auch noch mit Bayer Spinnmilbenfrei mit dem Wirkstoff Acequinocyl. Diese drei Mittel verwendete ich im Wechsel, alle vier Tage, begann und endete dann aber mit dem Mittel mit Abamecitin, welches ich in einer vierten, anstatt der drei empfohlenen Anwendungen noch einmal zur Sicherheit verwendete. Doch nur ca. zwei Wochen nach der letzten Anwendung fand ich bereits wieder erste Anzeichen für einen weiteren Befall. Danach versuchte ich weitere Dauerbehandlungen alle 2 - 3 Tage mit diesen Mitteln in unterschiedlichen Reihenfolgen oder auch mehrfach mit denselben Mitteln hintereinander - doch alle Mühen blieben leider auf Dauer ohne Erfolg.

Ich führte in der Zwischenzeit immer wieder Quarantänemaßnahmen mit weiteren neu erworbenen Stecklingen und auch Pflanzen durch, die diese wunderbar überstanden, doch kurz nach der Integration in meine Sammlung wurden auch diese - und zwar vor allen anderen Pflanzen bevorzugt - binnen kürzester Zeit aufgefressen. Vermutlich waren sie aufgrund Transport und Quarantäne bereits ein wenig geschwächt. Ich vermute aber, dass die Milben ein Näschen für Neuankömmlinge haben und diese dann sogar noch bevorzugen. So sah es zumindest aufgrund meiner zahlreichen und langen Erfahrung mit diesen Schädlingen für mich aus. 

In meinen Augen - und ich kann versichern: NICHT nur in meinen Augen!! - sind Weichhautmilben die schlimmste aller Plagen für uns Pflanzenliebhaber. Denn sie bevorzugen nicht nur Saintpaulias und Streptocarpus, sondern richten an sehr vielen unterschiedlichen Pflanzenarten binnen Kürze verheerende Schäden an. Viele Internetforen, die sich mit Weichhautmilben befassen und sie mehr als die Pest hassen, befassen sich mit Gemüseanbau, aber auch mit Zierpflanzen vieler verschiedener Gattungen. Auch Knollenpflanzen sind bei Weichhautmilben sehr beliebt - sie haben auch eine meiner Knollenbegonien und eine Dahlie, die ich als Kübelpflanze hielt, fast total zerstört - auch Engelstrompetenbesitzer wissen wovon ich spreche. Manche anderen Pflanzenarten, auf denen sich zwar Weichhautmilben tummeln, werden aber aufgrund härteren Laubes oft nicht stark geschädigt, so dass sie zwar befallen sind, jedoch nicht erkrankt aussehen. Doch trotzdemn sind sie weiterhin Überträger dieser Spinnentierchen, sofern sie nicht gründlichst mit behandelt oder gar entsorgt werden.

Nach der Misere mit den wechselnden Giftbehandlungen, die man sogar laut Hersteller empfiehlt, um Resistenzbildungen vorzubeugen, wurde ich zunehmend ratloser, denn in Deutschland bekam ich kaum ein weiteres zugelassenes Akarizid, welches auch und vor allem gegen Weichhautmilben wirksam war. So versuchte ich mein Glück mit einem Mittel für den Heim- und Nutztierbedarf, welches auch gegen Milben sicher und vor allem langzeitig wirken sollte. Dieses Mittel enthält Pyrethrum und ich war wieder einmal sicher, dass ich sie nun endlich besiegen könnte, diese Plage der Pflanzenliebhaber. So führte ich auch mit diesem Gift drei Behandlungen an meinen Pflanzen durch im Abstand von ca. 6 - 7 Tagen - weil ja ein Langzeitschutz gegen alle Plagegeister zugesichert wurde. Doch das einzige, was mit größter Wirksamkeit ausgerottet wurde, war mein geliebter Pflanzenbestand. Durch dieses Gift und auch die hohe Konzentration, die ich verwendete, um sicher zu gehen, dieses Mal auch alle Milben ausgerottet zu haben, gingen nach und nach immer mehr meiner Pflanzen und Stecklinge ein. Die Wurzeln nahmen mehr und mehr Schaden und aus den Pflanzen wurden binnen ca. vierzehn Tagen Skelette - leider jedoch wieder einmal nicht aus den Milben. Diese waren zwar - wie bei allen anderen Mitteln auch - zunächst einmal stark reduziert, jedoch fingen sie nun bereits wieder kräftig an, sich zu vermehren und den Rest meiner Pflanzen anzugehen. 

Ich war nun langsam wirklich müde und dachte bereits darüber nach, doch einfach alles weg zu werfen und neu zu beginnen. Hätte ich das doch nur mal getan...

Doch immer noch hatte ich ein paar seltene Sorten, wenn auch nur noch kümmerliche Pflänzchen davon - aber ich wollte einfach gewinnen. Weiter recherchierte ich im Internet nach Methoden zur Vernichtung der Weichhautmilben. Ich las über eine Methode, in der die Pflanzen in ca. 50° C heißes Wasser für ca. 15 Minuten getaucht werden sollten. Ich bin mir jetzt nicht mehr so sicher, ob Temperatur und Zeit so genau stimmen - jedoch wollte ich das nicht versuchen.

Auf amerikanischen Veilchenseiten las ich dann, dass Neem recht wirksam sein sollte und darauf wohl keine Resistenzen gebildet würden, weil es ja ein natürliches Mittel sei. Einige Usambaraveilchenliebhaber bezeugten sogar, dass sie es mit vielfachem Neem-Einsatz über ca. 2 Monate geschafft hatten, gänzlich die Weichhautmilben los zu werden. 

Also besorgte ich mir Neem. Da ich aber Angst hatte, durch das Öl, das darin enthalten ist, evtl. noch weitere Schäden an meinen Pflanzen anzurichten, besorgte ich mir das Mittel 'Bio-Schädlingsfrei Neem' von Bayer. Ich setzte es dem Gießwasser zu, machte aber auch gleichzeitig eine Lösung für die Sprühflasche zum gründlichen Einsprühen der Pflanzen bereit - und behandelte zunächst im 3-Tage-Intervall all meine Pflanzen und Stecklinge, später dann alle 4 Tage, bis zum Ausschleichen dann über 5 bis zuletzt 7 Tage. Dies war das erste Mal, dass die Pflanzen sich ein wenig erholten und nach jeder Neem-Behandlung kräftiger und frischer wirkten. Neem wirkt übrigens auch kräftigend und ist auch bedingt gegen vielerlei bakterielle und Pilzerkrankungen mit gutem Erfolg einsetzbar. Jedoch bemerkte ich im Laufe der nächsten Wochen, nachdem es zunächst so schien, als gingen die Milben allmählich in die Knie, dass auch die Milben wieder kräftiger wurden.

Mittlerweile hatte ich sogar nachts Alpträume und lag stundenlang wach und grübelte, ob ich nicht doch endlich alle Pflanzen einfach entsorgen sollte. Aber nein! Ich machte einen erneuten Versuch. Ich fing ein paar Milben ein und fügte noch ein wenig krankhaftes bzw. beschädigtes Pflanzenmaterial hinzu, warf das Ganze dann in Alkohol und ließ es ein paar Tage ziehen. Dann schüttelte ich mir daraus eine homöopathische Nosode in verschiedenen Potenzen. Ich verwandte nun eine niedrigere und eine höhere Potenz teils im Wechsel, teils gemeinsam, als Gießmittel und zum Besprühen meiner Pflanzen. Ich war begeistert: Geschädigte Pflanzen erholten sich praktisch über Nacht und bildeten neue kräftige Wurzeln - und die Milben schienen Reißaus zu nehmen. 

Mittlerweile hatte ich zusätzlich noch eine Maßnahme ausgetüftelt. Ich kaufte tausende von Verschlussbeuteln in den unterschiedlichen Größen, passend für meine Stecklinge bis Pflanzen, und verpackte jede einzelne Pflanze in einen geschlossenen Beutel. Nun konnten sie sich zumindest nicht wieder auf inzwischen milbenfreie Pflanzen ausbreiten. 

In Tüten eingeschlossene Pflanzen wimmelten teilweise von Milben, die versuchten, aus den Beuteln herauszuklettern. Immer wieder inspizierte ich täglich für viele Stunden mittels Lupe und Taschenmikroskop meine Pflanzen aufs Genauste und zerquetschte in den Beuteln kletternde Milben. Doch leider sammelte sich in den Beuteln auch zunehmend Staunässe, was zu weiteren Schwierigkeiten und Krankheiten der Pflanzen, wie etwa Pilzbefall führte. So musste ich die Beutel zum Beüften der Pflanzen nun zumindest stundenweise wieder öffnen. Alle Milben, die ich nur erwischen konnte, zerquetschte ich größtenteils in der Tüte und hoffte, dass die Milben, die ich nicht finden konnte, wirklich das Weite suchen würden, da sie ja scheinbar aufgrund meiner selbst hergestellten Nosode zu flüchten versuchten. Befallene Pflanzen wurden zudem auch noch mit Gift besprüht, wenn ich die Beutel öffnete. Doch die Milben schienen immer schlauer zu werden und sich besser und besser zu verstecken, denn ich konnte fast keine mehr finden.

Doch die Freude währte nur knappe zwei Wochen. Dann bemerkte ich, dass wieder mehr und mehr Milben sich an meinen Pflanzen zu tummeln begannen. Es war wie bisher immer - nach nur kurzer Zeit machten sie sich wieder gar nichts mehr aus der neuen Maßnahme - sie schienen mir ins Gesicht zu grinsen und mir dabei noch den Mittelfinger zu zeigen. Ich war nun am Ende mit meinem Latein.

Doch ich erfand einen neuen Plan: Kaliseife! Sie sollte ja auch gegen Milben wirksam sein. Also topfte ich alle Pflanzen nach und nach aus und badete bzw. tauchte sie für ca. 15 Minuten in lauwarmer Kaliseifenlauge, dann topfte ich sie in frisches sterilisiertes Pflanzsubstrat. Das Kaliseifenbad wiederholte ich noch zwei bis dreimal alle 5 Tage. Doch auch das schienen mir meine Pflanzen mehr als die Milben krumm zu nehmen. Wieder gingen etliche bereits schwache Pflanzen ein. Einen Vorteil hatte das Ganze schon: die Behandlungen wurden aufgrund stark geschwundener Menge meiner Pflanzen und Stecklinge immer kürzer und einfacher für mich. Doch um was für einen Preis!

Nun tüftelte ich einen neuen Schlachtplan aus - ich befüllte allerlei Gefäße mit Wasser und stellte umgestülpte Pflanztöpfe als Sockel ins Wasser. Darauf stellte ich dann die Töpfe mit den Pflanzen. Nun konnten die Milben zumindest nicht mehr von einer zur anderen Pflanze laufen. Doch es wurde nun bereits Winter und es war regnerisch. Auch bei geöffnetem Fenster hatte ich nun eine Luftfeuchtigkeit wie im Regenwald - doch leider viel kühler und nicht nur die Pflanzen im Pflanzenzimmer bekamen Pilze - nun fing ein erster Pilzbefall auch über dem Fenster an. So ging es also auch nicht weiter! Ich reinigte mal wieder alles gründlich und leerte die Wasserschalen - und immer noch gab es vereinzelte Milben an verschiedenen Pflanzen.

Dann half mir eine Freundin aus USA. Sie hat selbst eine riesige Pflanzensammlung und legt sehr viel Wert auf Quarantäne und eine vorsorgliche Behandlung aller neuen Pflanzen mit Akariziden. Sie besorgte mir im Laufe der Zeit drei unterschiedliche Akarizide. Wie sich jedoch herausstellte, hatten zwei davon dieselben Wirkstoffe, die ich bereits verwendet hatte: Fenpyroximat und Abamecitin. Mit beiden führte ich wieder wechselweise Behandlungen durch - und wie bereits zuvor nur mit mäßigem Erfolg: es wurden zwar wieder weniger Milben, jedoch bereits nach kurzer Zeit erholte sich ihr Bestand. 

Nun erhielt ich aber eine kleine Menge eines Akarizids mit Spiromesifen, welches vor allem die Eier und Larven abtöten, aber auch erwachsene Milben schwächen sollte. Zudem hat dieses Mittel eine Langzeitwirkung von ca. 6 Wochen. Ich führte eine erste Behandlung durch und es schien, als würde dieses Mittel nun erstmals durchgreifend wirken. Da ich aber im Internet gelesen hatte, dass auch mit diesem Mittel mindestens zwei Behandlungen erfolgen sollten, besorgte ich mehr von diesem Akarizid und führte nun an meinen Pflanzen noch zwei Behandlungen mit einer stark erhöhten Konzentration des Mittels durch. Nun war ich überzeugt, dass ich die Milben ein für allemal los sein würde.

Doch nach ca. drei bis vier Wochen fand ich wieder erste Milben bzw. Schäden, die ich zunächst für Pilzbefall hielt und auf die mangelnde Immunabwehr meiner Pflanzen schob. Das war ein schlimmer und grober Fehler von mir, wie sich kurz darauf bereits herausstellte. Wieder waren die Milben bereits voll im Gange mit der weiteren Zerstörung meiner Pflanzen. Doch jetzt wollte ich nicht mehr aufgeben.

So besorgte ich mir wieder besagtes Akarizid mit Abamecitin und begann wieder mit der Behandlung. Doch dieses Mal nahm ich davon gleich 5 ml auf 1,5 Liter Wasser. Zwei Tage nach der Behandlung folgte die nächste Behandlung mit dem spiromesifenhaltigen Mittel in Höchstkonzentration. Wieder drei Tage später erfolgte eine erneute Behandlung mit Abamecitin, 2 Tage danach wieder Spiromesifen. Die vierte und letzte Behandlung machte ich dann 5 Tage später mit einer Lösung, der ich beide Mittel gleichzeitig in Höchstkonzentration hinzufügte. Das war wiederum ein Fehler, denn Spiromesifen in dieser hohen Konzentration und dann auch noch im Substrat sind leider sehr schädlich für die Pflanzen. Abamecitin hingegen ist sehr gut verträglich, auch in hoher Konzentration und auch wenn es ins Substrat gegossen wird, schwächt die Pflanzen kaum. Doch Spiromesifen zieht in die Pflanze ein muss/soll nur auf die Oberseite der Pflanzen bzw. Blätter und Stamm gesprüht werden. Doch da der Erfolg mit diesem Mittel bei der vorherigen Behandlung leider auch nur mäßig war, ging ich lieber dieses Risiko ein, als noch einmal Gefahr zu laufen, dass wieder einige Milben sich erholen und vermehren würden. Und endlich: Ich kann es fast immer noch nicht glauben - sind die Weichhautmilben ein für allemal weg. Doch ich habe die ganze Sache noch nicht vergessen und suche immer noch fast täglich mit der Lupe an meinen verbliebenen Pflanzen nach Weichhautmilben. Die Milben sind endlich wirklich weg - aber leider habe ich auch fast alle meine Pflanzen verloren durch die vielen Giftbehandlungen und den Milbenfraß.

Nun kann ich leider nicht genau sagen, durch welches der beiden Mittel - oder ob nun wirklich erst durch die gleichzeitige Behandlung mit beiden Mitteln - die Milben endgültig vernichtet worden sind, doch endlich habe ich sie besiegt! Nach zweieinhalb Jahren, in denen ich wirklich fast alles, ausprobiert habe, kann ich heute nur jedem den Rat geben, schon bei Anschaffung seiner ersten Pflanzen deutlichen Wert auf eine strenge Quarantäne zu legen - und auch bei der Wahl der Verkäufer sehr vorsichtig zu sein. Aber darüber hinaus können Weichhautmilben auch aus dem eigenen Garten oder von gekauftem Gemüse mit in die eigene Wohnung genommen werden. Daher kann man auch bei noch so guter Vorsorge nie wirklich vor diesen Schädlingen sicher sein, wenn man nicht ständig darauf achtet, Hände und Kleidung zu reinigen, bevor man sich den Pflanzen im Hause bzw. auch neuen Pflanzen widmet, sich auch zwischendurch immer die Hände zu reinigen oder gar Handschuhe zu tragen, um die Milben nicht zu anderen Pflanzen weiter zu tragen.

Jedoch sind auch die Haltungsbedingungen teilweise begünstigend für einen Parasitenbefall. Weichhautmilben lieben hohe Luftfeuchtigkeit. Also sollte häufig und gut gelüftet werden und die Pflanzen lieber ein wenig trockener gehalten werden, soweit dies möglich ist. Ich schreibe hier 'soweit dies möglich ist', denn bei einem großen Bestand greift man oft auf Dochtbewässerung für seine Pflanzen zurück, weil Saintpaulias gerade höhere Luftfeuchtigkeit lieben und in der Regel sehr gut gedeihen, wenn sie nicht allzu trocken gehalten werden. 

Doch sollte so oft wie möglich jede Pflanze genau begutachtet und bei ersten Schäden der Ursache lieber gleich auf den Grund gegangen und durchgreifend gehandelt werden. Und ich kann nur jedem den Rat geben: Wenn man sich für Gift, sprich einen Akarizideinsatz entscheidet, lieber gleich eine sehr hohe Konzentration des Akarizides wählen und einen häufigeren Einsatz mit einem Mittel mit Abamecitin und/oder Spiromesifen. Andere Wirkstoffe haben mir gegen Weichhautmilben leider nicht geholfen.



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